schreiben

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schrei|ben ['ʃrai̮bn̩], schrieb, geschrieben:
1. <itr.; hat Buchstaben, Zahlen, Noten in bestimmter Reihenfolge mit einem Schreibgerät auf einer Unterlage, meist auf Papier, hervorbringen oder in einen Computer eingeben:
schreiben lernen; schön, sauber, deutlich, unleserlich, schnell, langsam schreiben; mit der Hand, mit dem Bleistift, mit Tinte schreiben; sie schreibt auf blauem/blaues Papier; auf/mit dem Computer schreiben; in gut leserlicher Schrift schreiben; er kann weder lesen noch schreiben.
Syn.: kritzeln, niederlegen (geh.), schmieren (ugs. abwertend).
2. <tr.; hat
a) aus Schriftzeichen, Buchstaben, Ziffern o. Ä. in einer bestimmten lesbaren Folge bilden, zusammensetzen:
ein Wort, eine Zahl schreiben; den Satz zu Ende schreiben; seinen Namen an die Tafel, die Adresse auf den Umschlag schreiben; etwas falsch, richtig, mit Bindestrich schreiben.
b) schreibend (1), schriftlich formulieren, gestalten, verfassen:
einen Brief, einen Antrag, ein Protokoll, einen Bericht, eine Rechnung schreiben; jmdm., an jmdn. eine Karte schreiben; sie schreibt Romane, Drehbücher, Gedichte; er hat in dem Artikel die Wahrheit, lauter Lügen, nichts als Unsinn geschrieben; sie hat ein Buch über Afrika geschrieben.
Syn.: zu Papier bringen.
3. <itr.; hat sich schriftlich an jmdn. wenden; [etwas] in schriftlicher Form senden, schicken:
seinem Vater/an seinen Vater schreiben; ihr Sohn hat [ihr] lange nicht geschrieben; ich schreibe dir aus dem Urlaub; sie hat wegen der Sache an den Bundespräsidenten geschrieben; sie hat mir nur wenig von dir, von deinen Plänen/über dich, über deine Pläne geschrieben (schriftlich mitgeteilt, berichtet).
Syn.: anschreiben.
4. <itr.; hat
a) als Autor[in] künstlerisch, schriftstellerisch, journalistisch o. ä. tätig sein:
sie ist Malerin und ihr Freund schreibt (ist Schriftsteller); sie schreibt für eine Zeitung.
b) in bestimmter Weise sich schriftlich äußern, etwas sprachlich gestalten; einen bestimmten Schreibstil haben:
lebendig, anschaulich, spannend, ziemlich langweilig schreiben; sie schreibt immer in gutem Deutsch.
Syn.: 1 dichten.
c) mit der schriftlichen Formulierung, sprachlichen Gestaltung, Abfassung, Niederschrift von etwas beschäftigt sein:
sie schreibt an einem Roman; er schreibt immer noch an seiner Dissertation.
Syn.: arbeiten.
5. <itr.; hat berichten:
die Zeitung schrieb ausführlich über das Unglück.
6. <itr.; hat zum Thema einer [wissenschaftlichen] Abhandlung machen:
er schreibt über den Marxismus, über die Kirche, über den Staat.
7. <+ sich> korrespondieren:
wir schreiben uns regelmäßig.
8. <tr.; hat jmdm. schriftlich einen bestimmten Gesundheitszustand bescheinigen:
er wollte sich arbeitsunfähig, untauglich schreiben lassen.
Syn.: erklären für.
9. <tr.; hat (von Geldbeträgen o. Ä.) irgendwo schriftlich festhalten, eintragen, verbuchen:
schreiben Sie [mir] den Betrag auf die Rechnung, mein Konto; den Betrag haben wir zu Ihren Lasten geschrieben.

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schrei|ben 〈V. 226; hat
I 〈V. tr.〉
1. in Buchstaben od. Zahlen schriftlich festhalten, zu Papier bringen
2. schriftlich mitteilen
● er schreibt mir, dass ... ● Adressen \schreiben; in der Schule einen Aufsatz \schreiben; ich schreibe ihm einen Brief, 〈od.〉 einen Brief an ihn; er schreibt ein Buch, ein Drama, einen Roman; man schrieb das Jahr 1914 es war, geschah im Jahr 1914; wir \schreiben heute den 8. Juli 2007; seinen Namen \schreiben; einen guten, schlechten Stil \schreiben; die Zeitung schreibt darüber Folgendes ... ● unser Kind kann schon, lernt \schreiben ● deutlich, eng, gut, liederlich, sauber, schön, unleserlich \schreiben; dieser Stift schreibt zu dick, gut, schlecht; dieses Wort hast du falsch, richtig geschrieben; das Wort wird groß-, kleingeschrieben; der Artikel ist gut, gewandt, verständlich geschrieben; langsam, schnell \schreiben ● an jmdn. \schreiben; er schreibt an einem Roman er ist mit dem Schreiben eines Roman beschäftigt; der Lehrer hat das Aufsatzthema an die Tafel geschrieben; einen Betrag auf eine Rechnung \schreiben; eine Arbeit ins Konzept, ins Reine \schreiben; wie viel Silben schreibt sie in der Minute? stenografiert sie; sich mit jmdm. \schreiben 〈umg.〉 mit jmdm. in Briefwechsel stehen; mit Bleistift, Kugelschreiber \schreiben; mit der Hand, mit der Schreibmaschine \schreiben; nach Diktat \schreiben ● wie schreibt er sich? er schreibt sich Mueller mit ue ● ein humorvoll geschriebener Roman; das gesprochene und das geschriebene Wort
II 〈V. intr.〉 als Autor tätig sein ● er schreibt für den Rundfunk, für Zeitschriften, Zeitungen
[<mhd. schriben <ahd. scriban <lat. scribere „mit dem Griffel eingraben, einzeichnen“; zu idg. *(s)ker- „schneiden“; → scheren1]

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schrei|ben <st. V.; hat [mhd. schrīben, ahd. scrīban < lat. scribere = schreiben, eigtl. = mit dem Griffel einritzen]:
1.
a) Schriftzeichen, Buchstaben, Ziffern, Noten o. Ä. in einer bestimmten lesbaren Folge mit einem Schreibgerät auf einer Unterlage, meist Papier, aufzeichnen od. in einen Computer eingeben:
schön, deutlich, wie gestochen, unleserlich, schnell, langsam s.;
mit der Hand, mit dem Bleistift, mit Tinte s.;
auf/mit der Maschine, dem Computer s.;
sie schreibt auf blauem/blaues Papier;
das Kind lernt s.;
<subst.:> jmdm. das Schreiben beibringen;
b) (von Schreibgeräten) beim Schreiben (1 a) bestimmte Eigenschaften aufweisen:
der Bleistift schreibt gut, weich, hart;
c) <s. + sich; unpers.> sich mit den gegebenen Mitteln in bestimmter Weise schreiben (1 a) lassen:
auf diesem Papier, mit der neuen Feder, mit der ergonomischen Tastatur schreibt es sich viel besser, flüssiger.
2.
a) aus Schriftzeichen, Buchstaben, Ziffern o. Ä. in einer bestimmten lesbaren Folge bilden, zusammensetzen:
ein Wort, eine Zahl s.;
kannst du Noten s.?;
die Adresse auf den Umschlag s.;
sie schreibt [auf der Maschine/auf dem Computer] 250 Anschläge in der Minute;
etw. mit Bindestrich, in zwei Wörtern s.;
Ü Schmerz war in seinen Zügen geschrieben (drückte sich darin aus);
b) schreibend (1 a), schriftlich formulieren, gestalten, verfassen:
einen Brief, ein[e] E-Mail, eine Beschwerde, ein Protokoll, eine Rechnung, einen Wunschzettel s.;
jmdm., an jmdn. eine Karte s.;
sie schreibt Romane, Drehbücher;
sie hat in Biologie eine Eins geschrieben (in der Klassenarbeit die Note »Eins« erreicht);
sie schreibt in ihrem Gutachten (äußert sich darin dahin gehend), dass der Abstand ausreichend gewesen sei;
was schreiben denn die Zeitungen über den Vorfall? (was wird in den Zeitungen darüber berichtet?);
es gilt das geschriebene Wort (der schriftlich niedergelegte Text);
das geschriebene (kodifizierte) Recht;
die Geschichte muss möglicherweise neu geschrieben werden;
c) komponieren u. niederschreiben:
eine Sinfonie, einen Walzer, die Musik zu einem Film s.
3.
a) als Autor[in] künstlerisch, schriftstellerisch, journalistisch o. Ä. tätig sein:
er schreibt für eine Zeitung, für den Rundfunk, in einem Magazin;
sie schrieb gegen die fortschreitende Umweltzerstörung (ging in ihren Veröffentlichungen schon immer dagegen an);
<subst.:> er hat großes, kein Talent zum Schreiben;
b) in bestimmter Weise sich schriftlich äußern, etw. sprachlich gestalten; einen bestimmten Schreibstil haben:
gut, schlecht, lebendig, spannend s.;
sie schreibt englisch und deutsch;
er schreibt immer in gutem Deutsch;
c) mit der schriftlichen Formulierung, sprachlichen Gestaltung, Abfassung, Niederschrift von etw. beschäftigt sein:
sie schreibt immer noch an ihrer Dissertation.
4.
a) eine schriftliche Nachricht senden; sich schriftlich an jmdn. wenden:
du hast deinen Eltern, an deine Eltern lange nicht geschrieben;
davon/darüber hat er nichts geschrieben (schriftlich mitgeteilt, berichtet);
ich werde meinen Eltern mal wieder um Geld s. müssen (sie brieflich um Geld bitten müssen);
b) <s. + sich> mit jmdm. brieflich in Verbindung stehen, korrespondieren:
die beiden schreiben sich/(geh.:) einander schon lange;
(ugs.:) ich schreibe mich seit Jahren mit ihr.
5. <s. + sich> (ugs.) den Regeln entsprechend eine bestimmte Schreibweise (1) haben:
sein Name schreibt sich mit »k« am Ende;
sie schreibt sich ohne Bindestrich (ihr Name wird ohne Bindestrich geschrieben).
6. <s. + sich> (veraltend, noch landsch.) 1heißen (1):
wie schreibt er sich noch?
7. (veraltend) als Datum, Jahreszahl, Jahreszeit o. Ä. haben:
wir schreiben heute den 1. Juni, den elften Vierten, den Dritten;
den Wievielten schreiben wir [heute]?
8. (von Geldbeträgen o. Ä.) irgendwo schriftlich festhalten, eintragen, verbuchen:
schreiben Sie [mir] den Betrag auf die Rechnung, mein Konto.
9. jmdm. schriftlich einen bestimmten Gesundheitszustand bescheinigen:
die Ärztin hat ihn arbeitsunfähig, untauglich geschrieben.

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Schreiben
 
[althochdeutsch scriban, von lateinisch scribere, eigentlich »mit dem Griffel einritzen«], das Anbringen von Schriftzeichen eines Schriftsystems auf einer mehr oder weniger dauerhaften Unterlage zum Zweck der Kommunikation; heute in der Technik auch die Aufzeichnung z. B. von Daten.
 
Der wichtigste Beschreibstoff des Altertums, abgesehen von Stein oder Bronzetafeln, auf denen Inschriften eingemeißelt wurden, war der Papyrus aus Ägypten, seit der Spätantike das Pergament, bis es im Spätmittelalter vom Papier verdrängt wurde. Im Alten Orient drückte man die Keilschrift mit einem Schilfgriffel in (feuchte) Tontafeln. Auch Rinde, Bast, Leder, Leinen u. a. benutzte man als Beschreibstoff (zum Teil noch heute bei Naturvölkern). Während in China Pinsel verwendet wurden, dienten in der Antike als Schreibwerkzeuge für Tinten zunächst Binsen, dann die Rohrfeder (aus Schilfrohr), daneben der Stilus (Griffel) für Wachstäfelchen (z. B. Diptychon), im Mittelalter folgte der Gänsekiel. Seit dem Spätmittelalter setzten sich daneben auch Graphitstifte durch. Die Schreibfeder aus Stahl wurde 1780 erfunden, im 20. Jahrhundert kamen der Füllfederhalter (mit metallener Schreibfeder) und der Kugelschreiber auf. Neben das Schreiben mit der Hand trat im 19. Jahrhundert die mechanische Schreibmaschine. Das Drucken mit beweglichen Lettern, dem das Setzen der Typen vorausgeht, wurde um 1450 von J. Gutenberg praktiziert. Druck- und Schreibschriften nahmen eine getrennte Entwicklung. (Schrift, Kalligraphie)
 
Schreiben ist eine Kulturtechnik, die, früher immer wenigen vorbehalten, seit dem 19. Jahrhundert in der Volksschule beziehungsweise heute in der Grundschule allgemein vermittelt wird, jedoch gibt es weltweit viele Lese- und noch mehr Schreibunkundige (Analphabetismus). Meist setzt der Schreibunterricht nach dem Erstleseunterricht ein (Lese- und Rechtschreibunterricht). Grundlage für die im Unterricht verwendeten Schreibschriften sind anerkannte Normalphabete; wesentlicher Einfluss auf ihre Entwicklung übten in Deutschland L. Sütterlin und Rudolf Koch, in der Schweiz P. Hulliger, in Österreich A. Legrün aus. 1935-41 wurde an deutschen Schulen die »deutsche Schrift«, eine Frakturschrift, eingeführt, dann wurde eine Antiquaschrift zur Normalschrift erhoben. Sie wurde 1952 durch den »Iserlohner Schreibkreis« neu gestaltet und in modifizierter Form 1954 von der Kultusministerkonferenz als »lateinische Ausgangsschrift« anerkannt. Eine Sonderform der Schreibschrift ist die Stenografie.
 
In Österreich gilt die »Österreichische Schulschrift 1965«; in der Schweiz entwickelte die »Schweizerische Studienkommission für Schrift und Schreiben« 1945-46 eine »Schulschrift«.

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Schrei|ben, das; -s, -: schriftliche Mitteilung meist sachlichen Inhalts, offiziellen Charakters: ein amtliches, dienstliches, vertrauliches, geheimes S.; ein kurzes, langes, persönliches, förmliches, freundliches S.; Aus der Kanzlei des Kronprätendenten kam ein höfliches, nichts sagendes, dilatorisches S. (Feuchtwanger, Erfolg 513); Dieses S. war trotz seiner höflichen Form so rücksichtslos und kurz abgefasst (Musil, Mann 948); ein S. abfassen, aufsetzen; ..., dass der Papst Pelagius ein flehentliches S. an Justinian richten muss (Thieß, Reich 623); wir bestätigen Ihnen den Eingang Ihres -s vom 4. 8. 1999 ; auf Ihr S. vom 11. 09. 99 teilen wir Ihnen mit ...; für Ihr S. danken wir Ihnen; die in Ihrem S. erwähnte Rechnung; gleichzeitig mit diesem S. geht ein Paket an Sie ab.

Universal-Lexikon. 2012.

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